St.Peter-Kirche Wil, Sa, 20. und So, 21. November 2010
Die beiden Wiler Kirchenchöre St. Peter und St. Nikolaus und der Orchesterverein Wil haben sich mit zwei Werken von John Rutter auseinandergesetzt und laden ein zu zwei Konzertaufführungen. Der Auftrag der Kirchenmusik beschränkt sich ja längst nicht mehr auf die Gestaltung von Gottesdiensten. Geistliche Chorkonzerte und musikalische Meditationen gehören zum festen Angebot einer umfassenden Kirchenmusik.
Der Monat November mit dem Fest Allerseelen, Ewigkeitssonntag und den Gräberbesuchen, mit seinem Nebel und den kürzer werdenden Tagen, stimmt Menschen immer wieder nachdenklich und lässt über Leben, Sterben und Tod sinnieren. Das "Requiem" von John Rutter scheint uns dazu ein passendes Werk. Dieses zeitgenössische Requiem ist fernab der traditionellen dunklen Klangfarben und dramatischen Rhythmen. Es ist ein lyrisches Chorwerk, durchwoben mit instrumentalen und gesanglichen Soli - bewegend, ergreifend und besinnlich. Das zweite Werk ist Rutter's "Magnificat" – ein jubilierender Lobpreis auf Gott, Musik voller Hoffnung und Leben. Die Soli in beiden Werken werden gesungen von Nicole Bosshard, Sopran.
Eingestreut zwischen die Sätze der beiden Werke rezitiert Walter Lingenhöle lyrische Texte, die er eigens dazu geschrieben hat. Diese stehen unter dem Titel: Im Tod blüht Leben. Mit seinen Texten nimmt er die Themen verschiedener Sätze auf, baut Brücken dazwischen und lädt ein, den eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen.
Wir freuen uns, Ihnen ein bewegendes und tiefsinniges Konzerterlebnis bereiten zu dürfen und heissen Sie herzlich willkommen.
John Rutter wurde 1945 in London geboren und studierte Musik am Clare College in Cambridge, wo er bereits vor seinem Abschluss erste Kompositionen veröffentlichte und erste Plattenaufnahmen machte. Seine Arbeit als Komponist umfasst sowohl grosse als auch kleinere Chor-Werke, zahlreiche Orchester- und Instrumentalstücke, ein Klavierkonzert, zwei Kinderopern, Musik für das Fernsehen und grosse Auftragswerke für Musikgruppen. Seine grösseren Chorwerke „Requiem“ (1985) und „Magnificat“ (1990) sind viele Male in Grossbritannien, den USA und einer wachsenden Anzahl anderer Länder aufgeführt worden.
Von 1975 bis 1979 war John Rutter Musikdirektor am Clare College, dessen Chor er in vielen Sendungen und Aufnahmen dirigierte. Nachdem er seine Position am Clare College aufgegeben hatte, um mehr Zeit für das Komponieren zu haben, formte er die Cambridge Singers zu einem professionellen Kammerchor. Heute teilt er seine Zeit zwischen Chorleitung und Komponieren auf. Er hat Gastleitungen und Vorträge in vielen Konzertsälen, Universitäten, Kirchen, Musikfestivals und Konferenzen in Europa und Nordamerika übernommen. 1980 wurde er Ehrenmitglied am Westminster Choir College in Princton und 1988 Mitglied der Kirchenmusiker-Vereinigung.
REQUIEM
Das Requiem wurde in voller Länge zum ersten Mal im Oktober 1985 in Dallas, Texas unter John Rutter aufgeführt. Es ist eines der herausragendsten Werke des Komponisten. Als Quellen für die lateinischen und englischen Worte dienten ihm dabei die Texte der „Missa pro Defunctis“, die des „Book of Commen Prayer“ (1662) sowie Psalmtexte. Auch in diesem Werk findet man die Einbindung gregorianischer Elemente. So tauchen im „Agnus Dei“ Fragmente der Oster-Sequenz „Victimae paschali laudes“ auf.
Über den Aufbau des Requiems sagte Rutter selbst:
„Die sieben Teile des Werkes bilden eine bogen-ähnliche Meditation über die Themen Leben und Tod: der erste und der letzte Satz sind Gebete für die gesamte Menschheit, Satz zwei und sechs sind Psalmen, drei und fünf sind persönliche Gebete zu Jesus und das zentrale Sanctus ist eine Bestätigung göttlicher Herrlichkeit.
MAGNIFICAT
Auch die Uraufführung des „Magnificat“ wurde von Rutter selbst geleitet. Sie fand am 26. Mai 1990 in New York statt. Als Textgrundlage für dieses Werk diente Rutter die als „Lobgesang der Maria“ bekannte Textstelle aus dem Lukas-Evangelium, wie sie auch in der Liturgie der katholischen Kirche (Vesper) und im englischen Evensong ihre Verwendung findet. Das Magnificat gilt als einer der bedeutendsten biblischen Texte und hat zu immer neuer Auseinandersetzung angeregt. Es nimmt die Reich-Gottes-Verkündigung Jesu vorweg.
Rutter liess sich beim Komponieren auch inspirieren von Marienfesttagen in Spanien, Mexico und Puerto-Rico, die mit Gesang, Tanz und Prozessionen in den Strassen gefeiert werden. Rutter folgte auch dem Beispiel J.S. Bach und unterbrach den Text seines Magnificat mit einem altenglischen Mariengedicht aus dem 15. Jahrhundert (2. Satz „Of a Rose, a lovely Rose“), einem Mariengebet (7. Satz „Sancta Maria“), und einem Sanctus (3. Satz).
Ein Kirchenchor auf der Opernbühne
(April 2009)
Die Mitgliedschaft in einem Kirchenchor erfreut sich heutzutage keiner grossen Beliebtheit mehr. Einerseits nehmen natürlich auch die Zahlen der Kirchenaustritte zu. Andererseits schrecken die regelmässigen Proben und Verpflichtungen eines Chores oft ab. Dazu kommt die Vorstellung, dass sich ein Kirchenchor nur mit religiöser, alter Musikliteratur befasst und sich nur innerhalb dem engen Rahmen einer Kirchgemeinde bewegt.
Dass dies alles nicht immer der Fall sein muss, beweist der Chor zu St. Nikolaus, Wil.
1715 als Cäcilienmusikgesellschaft gegründet, ist dieser Chor nicht in einer starren Tradition steckengeblieben, sondern sucht immer wieder neue Formen und Wege. Unter dem jetzigen Musikdirektor Kurt Pius Koller hat sich der Chor ein hervorragendes Niveau erarbeitet, welches auch das Aufführen von anspruchsvollen Werken erlaubt. Unterstützt wird dies durch die individuelle Stimmbildung, welchem jeder Sängerin, jedem Sänger offen steht. Nicht wenige nahmhafte Wiler Musiker haben ihre Karriere im Chor zu St. Nikolaus begonnen.
Dass sich ein Kirchenchor auch ausserhalb der Kirchenmauern musikalisch engagieren kann, beweist der Chor in diesen Wochen im Wiler Stadtsaal: zusammen mit dem Männerchor Concordia und Zuzügern stehen die Sängerinnen und Sänger als grosses Chorvolk in der „Carmen“-Inszenierung der Theatergesellschaft Wil auf der Bühne. Und das bedeutet: Partien auswendig lernen, sich selbst schminken, ein individuelles Kostüm zusammengestellt bekommen, das Agieren auf der Bühne erlernen, Seite an Seite mit namhaften Solisten auf den Brettern stehen, die die Welt bedeuten - und überhaupt Backstage Oper: so manchen hat das Theatervirus erwischt!
Ebenfalls im Dreijahres-Rhythmus nimmt der Chor zu St. Nikolaus am Classic Openair in der Wiler Altstadt teil, ebenfalls ein grandioses, musikalisches Erlebnis für alle Beteiligten.
Die Proben des Chores zu St. Nikolaus finden Freitagabends von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr statt. Neue Mitglieder sind stets willkommen, speziell gesucht sind Männerstimmen. Natürlich kann die Arbeit im Chor auch an Schnupperproben kennen gelernt werden, Kurt Pius Koller oder Präsident Josef Brummer geben gerne Auskunft.